Weniger suchen – und dadurch bis zu 2,5 Jahre an Lebenszeit gewinnen

„Die Masse an Auswahl garantiert nicht das Finden.“ (Damaris Wieser)

Wir verlegen oder verlieren täglich bis zu neun Gegenstände, nach denen wir dann bis zu einer Stunde suchen.

Das ergaben Studien und Umfragen im englischsprachigen Raum. Pro Jahr sind wir also bis zu 15 Tage und in einem Erwachsenenleben bis zu zweieinhalb Jahre damit beschäftigt, Haus- und Autoschlüssel, Handys und Tickets, Socken und Sonnenbrillen, Bücher und Dokumente, sogar das Auto und vieles mehr wiederzufinden. Die Suche nach Dateien und Infos auf dem Handy, dem Computer und im Internet ist da noch nicht mitgerechnet.

Auch wenn Studien mit Vorsicht zu genießen sind und die Suchdauer individuell unterschiedlich ausfällt, wird deutlich, dass wir dadurch unglaublich viel Zeit verschwenden.

So verlegst oder verlierst Du in Zukunft keine Gegenstände mehr

Ich gebe Dir ein paar Tools an die Hand, mit denen Du das ewige Suchen beenden oder zumindest reduzieren kannst. Die gewonnene Lebenszeit von bis zu zweieinhalb Jahren kannst Du mit Sinnvollerem verbringen – etwa mit Deinen Lieben und Deinen Leidenschaften.

Meine Tipps beziehen sich auf das Suchen von Gegenständen zuhause und auf der Arbeit, gelten aber teilweise auch für das Suchen auf dem Handy, dem Computer und im Internet.

  1. Lebe bewusster und achtsamer. Wir verlegen Gegenstände meist, wenn wir nicht bei uns oder der Sache sind oder mehrere Dinge gleichzeitig tun. Entgegen der weit verbreiteten Meinung erledigen wir Aufgaben im Singletasking ein Viertel bis ein Drittel schneller, in besserer Qualität und gelassener als im Multitasking.
  2. Weniger besitzen, weniger suchen. Mit einer freiwillig minimalistischen Lebensweise verbannst Du das Überflüssige, um Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Du versuchst nicht, einer Vielzahl an Gegenständen, Menschen und Aufgaben gerecht zu werden. Du beschränkst Dich auf weniger Optionen, um Dich diesen mit genügend Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe zu widmen. Besitzt Du nur Gegenstände, die Du auch wirklich gebrauchst und brauchst, geht weniger verloren bzw. findest Du etwas schneller wieder.
  3. Lege für jeden Gegenstand einen festen Platz fest. In den meisten Fällen bietet es sich an, ähnliche Gegenstände zusammen aufzubewahren. Die Schlüssel ans Board neben dem Eingang, die offenen Rechnungen in die Ablage, die bezahlten Rechnungen in den Ordner, die Medikamente ins Schränkchen im Bad, die Fernbedienungen auf den Couchtisch … Wenn Du Dir dann angewöhnst, etwas nach dem Gebrauch wieder an seinen festen Platz zu bringen, wirst Du nicht mehr danach suchen müssen. Das Aufbewahren am selben Platz hilft auch beim Ausmisten. Du bekommst einen Überblick über Deinen Besitz und kannst Dubletten und nicht mehr Benötigtes weggeben.
  4. Bei Sammlungen empfiehlt sich eine passende Sortierung. Bücher kannst Du z. B. nach dem Nachnamen des Autors sortieren, DVDs nach dem Filmtitel, Knöpfe nach Farben und Gewürze nach Länderküchen.
  5. Sprich Dich mit Deinen Mitbewohnern und Kollegen ab. Mit den vier Schritten oben solltest Du das Verlegen und Verlieren auf ein Minimum reduzieren können – sofern Du alleine lebst. In einem Haushalt oder auf der Arbeit mit mehreren Personen ist die Organisation eine komplexere Angelegenheit, weil manche Gegenstände gemeinsam verwendet werden. Am besten überlegt Ihr Euch zusammen sinnvolle feste Plätze (siehe 3.) sowie ggf. eine Sortierung (siehe 4.). Bei der Gelegenheit könnt Ihr gleich den Besitz reduzieren (siehe 2.).

Bonus: Verlorene Gegenstände wiederfinden

Ist es doch mal passiert, hast Du also etwas Wichtiges verlegt oder verloren, machen die folgenden Tipps Dich wieder zu einem „kompletten“ Menschen:

  • Suche nicht um des Suchens willen. Wir leben in hektischen Zeiten, in denen es zum guten Ton gehört, beschäftigt zu sein. Nur wozu? Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Käufe, Tätigkeiten und negative Gedanken kurz zu hinterfragen, ehe ich mich ihnen widme. Beantworte vor einer Suche diese Fragen: Erleichtert oder bereichert der Gegenstand mein Leben? Kann ich im Moment nicht genauso auf ihn verzichten?
  • Entspann Dich. Atme ein paar Mal langsam und tief durch. Om. Ein klarer Geist sucht erfolgreicher als ein panisches Känguru.
  • Überlege, wann und wo Du den Gegenstand zuletzt verwendet oder gesehen hast. Stelle ihn Dir vor dem inneren Auge vor.
  • Konzentriere Dich auf die unordentlichen Bereiche, etwa den Wäscheberg oder den Stapel mit den Dokumenten. Wissenschaftler der University of Aberdeen haben herausgefunden, dass wir in den ordentlichen Bereichen genauso intensiv suchen wie in den unordentlichen. Wäre der Gegenstand an dem offensichtlichen Ort, hättest Du ihn wahrscheinlich längst gefunden.
  • Lass Dir bei der Suche helfen. Vier Augen sehen mehr als zwei. Außerdem hat eine andere Person oft noch Ideen, wo sich der Gegenstand befinden könnte.
  • Überlege auch, ob Du den Gegenstand jemand anderes ausgeliehen haben könntest.
  • Erkundige Dich in der Sammelstelle für Fundsachen, wenn Du etwas an einem öffentlichen Ort verloren hast. Die meisten Städte, Verkehrsbetriebe, Kaufhäuser und Großveranstaltungen haben so eine Einrichtung.
  • Erstelle ein Suchplakat mit einer genauen Beschreibung des Gegenstands und Deinen Kontaktdaten und hänge es in der entsprechenden Gegend auf. Ein Finderlohn kann die Chance erhöhen, den Gegenstand zurückzubekommen.

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Singer-Songwriter Tobias Panwitz alias Trailhead

Ich habe nur wenige Freunde, mit denen ich so viele gemeinsame Interessen teile und so auf einer Wellenlänge bin wie mit Tobias. Tobias Panwitz wandert für sein Leben gern, hat im letzten Sommer die Alpenüberquerung Salzburg – Triest absolviert, betätigt sich hin und wieder als Autor, hat sich als Singer-Songwriter Trailhead einen vorzüglichen Ruf erspielt und stellt immer öfter fest, mit wie wenig er doch zufrieden ist. Da das fast alles Themen sind, über die ich regelmäßig blogge, lag es nahe, Tobias ein paar Fragen zu stellen.

Christof Herrmann: Du hast Anglistik in Berlin und Naturschutz in Eberswalde studiert. Wie kam es, dass Du vor 15 Jahren eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen hast, als Trailhead rund 50 Konzerte pro Jahr spielst und vier Alben veröffentlicht hast?

Tobias Panwitz: Na ja, soweit habe ich mich scheinbar nicht von meinen Studienfächern fortbewegt. Ich schreibe zum Großteil Songs über das Unterwegssein in der Natur, und das auf Englisch. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass eine akademische Laufbahn nichts für mich ist und daraufhin habe ich vieles ausprobiert. Beispielsweise habe ich in Nordkalifornien als Teil der Trailcrew Redwood Nationalpark Wege angelegt und mich in Griechenland mit der alternativen Anbaumethode „Natural Farming“ beschäftigt. Die Gitarre war immer dabei. Und schließlich war mir Musik zu wichtig, um sie als Hobby nebenbei laufen zu lassen. Deshalb wurde sie zum Mittelpunkt meines Lebens. Mittlerweile spiele ich Konzerte in ganz Deutschland und treibe mich dazwischen oft in der Natur herum, was mir wiederum viele Ideen für Songs gibt. Keine schlechte Balance, oder?

Wie beschreibst Du jemanden Deine Musik, der noch keinen Deiner Songs kennt?

Ich nenne meine Lieder gern roadside folk songs mit Singer-Songwriter-Melodien. Die erzählen – wie das bei uns Singer-Songwriter(innen) üblich – von allem möglichen, bei mir meist von meinen Wanderungen, Reisen und der Rastlosigkeit, die mich immer wieder hinaustreibt.

Nenne doch mal eine Referenz, also paar Interpreten, die die Dich beeinflusst haben.

Auf die eine oder andere Art und Weise steckt sicher viel von Neil Young, den Beatles, Tom Petty und den Jayhawks in meinen Songs. Das sind die Sachen, mit denen ich musikalisch groß geworden bin. Andere Einflüsse sind nicht so offensichtlich, aber trotzdem vorhanden, etwa Pink Floyd, Peter Gabriel, Billy Joel, Dire Straits und Grateful Dead.

Du hast viele Stücke im Repertoire, die vom Unterwegssein handeln. Dein aktuelles Album „Keep Walking“ enthält ausschließlich walking songs. Wie kam es dazu?

Ich glaube, viele Songwriter haben einen Ort, eine Beschäftigung oder einen Zustand, in dem sie leichteren Zugang zum kreativen Unterbewusstsein haben. Bei mir ist das das Gehen. Das kann ein Fernwanderung sein oder der Gang zum Bäcker. Dadurch sind viele meiner Songs beim Gehen und Wandern entstanden. Besonders als ich lange in Spanien unterwegs war. Da lag es nahe, all die Songs quasi auf einem Konzeptalbum – da ist der Pink-Floyd-Einfluss – zu vereinen.

„When you life don’t make no sense just / take a walk, take a walk / when your demons take there chances / take a walk, go take a walk / over the hill or just through the park / meet some people in town, down at the bar“, singst Du in „Take a walk“. Es ginge uns besser, wenn wir mehr gingen. Du sprichst mir damit aus der Seele. Deswegen fühle ich mich geehrt, dass Du ein paar der Fotos meines Jakobsweges für das Video zu „Take a walk“ verwendet hast. Wie ist der Song denn entstanden?

Ich war auf der Via de la Plata, einem sechswöchigen Jakobsweg in Spanien, unterwegs. Leider war das Wetter alles andere als spanisch. Es regnete fast jeden Tag. Und das sechs Wochen lang! Ideen für Songs kamen aber trotzdem, aus Frust und Trotz heraus, z. B. der Durchhaltesong „Keep walking“, aber eben auch „Take a walk“.

Als ehemaliger Plattensammler und Plattenverkäufer habe ich mich sehr gefreut, dass es „Keep Walking“ nicht nur als CD, Download und Stream gibt, sondern seit Kurzem auch als edle Vinyl-Edition.

Ja, darüber bin ich sehr froh. Es ist eine tolle Ausgabe geworden, mit schöner rauer Haptik, den Songtexten auf der Innenhülle und einem zusätzlichen Downloadcode. Viele Leute meinten auch, sie würden das Cover einfach gern in Schallplattengröße haben. Hattest du mir nicht versprochen, dir wieder einen Plattenspieler zuzulegen, wenn ich „Keep Walking“ auf Vinyl herausbringe?

Aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr raus. Man kann auch als Minimalist eine kleine Plattensammlung haben solange man sie wertschätzt und die Musik hört. Ich hatte mal 4000 Tonträger. Aktuell besitze ich keinen einzigen Tonträger mehr. Ich würde mir wohl meine 50 Lieblings-LPs zulegen. Wie groß ist Deine Sammlung?

Nicht umwerfend groß. Anfang der 90er hatte ich mehr, habe diese dann wie viele Leute zum größten Teil entsorgt. Jetzt besitze ich vielleicht zwanzig LPs. Ich entdecke sehr viel Neues auf Spotify und was ich öfter hören möchte, kaufe ich auf Vinyl.

Trailheads Album "Keep walking" in der edlen Vinyl-Edition.
Trailheads Album „Keep walking“ in der edlen Vinyl-Edition.

Das Streamen hat auch Vorteile, aber mir fehlt der warme analoge Sound der LPs.

Neil Young wollte das Problem mit dem hochaufgelösten Streamingsound seines Pono-Players beheben. Keine Ahnung was daraus geworden ist. Natürlich ist der Sound beim Streamen nicht optimal. Für mich ist es wie Radio. Da achte ich auch nicht großartig auf den Sound. Was ich gezielt und regelmäßig hören möchte, kaufe ich mir auf Vinyl.

Du warst bisher v. a. in Spanien, in Griechenland und auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs. Im letzten Sommer bist Du von Salzburg nach Triest gewandert. Wie war die Alpenüberquerung im Unterschied zu den anderen Touren?

Ich war mehr als je zuvor auf den Augenblick fokussiert. Während meine Gedanken bei anderen Wanderungen recht unkontrolliert umherdriften, war ich in den Alpen immer auf den nächsten Schritt konzentriert, um die vielen An- und Abstiege und die teilweise ausgesetzten Stellen zu schaffen. In meinem neusten Video „White flag“ vom „Keep Walking“-Album sind Videosequenzen zu sehen, die ich auf meiner Alpenüberquerung aufgenommen habe.

Auf dem Album findet sich der schön bluesige Song „Too many people (on the Camino)“. Das Problem hattest Du auf Deinem Weg von Salzburg ans Mittelmeer wahrscheinlich nicht.

Nein, das stimmt, schon allein aus Konditionsgründen gehen ja nicht so viele über die Alpen wie durchs eher flache Spanien. Der Grund für den Song war allerdings nicht in erster Linie die Anzahl der Leute auf dem Camino, sondern die etwas überhebliche Einstellung vieler „Pilger“, die dem ja eigentlich einfachen „Pilgerleben“ ihre Anspruchshaltung überstülpen. Da wird schnell ein Fass aufgemacht, wenn die Dusche mal nicht die richtige Temperatur hat.

Eine Gitarre hattest Du aber in den Alpen nicht dabei?

Nein, bin ja kein Masochist :)

Manche Ukulelen wiegen keine 500 Gramm.

Und gehen leicht kaputt. Ich hatte in den Alpen eh keine Muße zum Musizieren. Da ging es mir ums Laufen. Und wenn mir unterwegs eine Songidee kam, habe ich sie als Sprachmemo auf dem Handy festgehalten. Daraus entwickle ich dann später zu Hause Songs.

Sind also neue walking songs entstanden, oder besser gesagt walking uphill and downhill songs?

Ja, genug für ein neues Album. Ich rede aber nicht über ungelegte Eier. Erstmal ins Studio und sehen, wie sich die Aufnahmen entwickeln.

Tobias Panwitz blickt vom Kajak aus auf die Elbe und auf Wittenberge.
Tobias Panwitz blickt vom Kajak aus auf die Elbe und auf Wittenberge.

Eine weitere Leidenschaft von Dir ist das Kajakfahren. Ich habe es einen Tag lang in Neuseeland ausprobiert. Das Naturerlebnis war grandios, mein wunder Hintern auch. Ich konnte eine Woche nicht sitzen. Nun mach mir mal das Kajakfahren schmackhaft.

Da will ich gar nicht so viel Werbung machen, ich mags ja, wenn nichts los ist auf den Gewässern :) Für mich ist Kajakfahren wie wandern, nur eben auf dem Wasser. Das Tempo ist in etwa gleich und du bewegst dich mit den Armen statt mit den Füßen voran. Du kannst überall ans Ufer, aber kaum jemand kann zu dir kommen. Eine schöne Form von Freiheit.

Mit Gitarre, Mikro und paar Songs auf der Bühne. Fernwandern auf Jakobswegen und zwischen Salzburg und Triest. Mit Faltboot und Zelt durch einsame Flussauen. Eine überschaubare Plattensammlung. Du scheinst auch die Einfachheit zu lieben.

Ich brauche tatsächlich nicht viel mehr. Gute Leute in meinem Leben zu haben, mich regelmäßig in die Natur absetzen zu können und Songs für Leute zu spielen, die gern zuhören. Das klingt nicht nach viel, ist für mich aber eine ganze Menge.

Tobias liebt die Einfachheit beim Wandern wie hier auf der Alpenüberquerung Salzburg - Triest.
Tobias liebt die Einfachheit beim Wandern wie hier auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest.

Hat Dich da Deine Kindheit geprägt? Du bist in der DDR aufgewachsen, warst 14 als die Mauer fiel. Bei uns im Westen waren die 80er Jahre verglichen mit heute ja schon minimalistisch. Weniger Konsumpf, kein Internet, kein Amazon, kein Smartphone 

Ja, klar war verglichen zu heute alles minimalistischer. Das würde ich in Bezug auf die DDR aber nicht romantisieren. Nicht viel zu haben, war ja keine freie Entscheidung der Leute. Und minimalistisch zu leben, hat erst dann einen Wert, wenn man es freiwillig tut. Mir ist schon lieber, viele Optionen zu haben und mir die wenigen Dinge aussuchen zu können, die mir dann genügen.

Du wanderst und bist viel unterwegs, Du liest und schreibst, sprichst nach den Konzerten mit den Besuchern, hast Naturschutz studiert. Hast Du noch Hoffnung, dass wir die Kurve kriegen. Wie können wir wieder zu mehr Einfachheit zurückkehren und uns selbst, andere und die Natur schützen, ohne dabei die Errungenschaften der digitalen Revolution zu verfluchen?

Ich denke, wir lenken uns oft von einer inneren Unruhe ab. Mit Essen, Reisen, Netflix, Arbeit … Konsum jeglicher Art. Um minimalistischer und nachhaltiger zu leben, sollten wir zuvor dieser Unruhe auf den Grund gehen. Ehrlich zu uns selber sein. Tue ich das, was sich für mich richtig anfühlt? Umgebe ich mich mit den Menschen, die mich dabei unterstützen, mir selbst treu zu sein? Oder ertrage ich mein Leben und meine Mitmenschen nur, indem ich mich mit Fernreisen, Unterhaltungselektronik und Statusobjekten davon ablenke? Konsum füllt immer eine Leere. Wenn wir uns dessen bewusster werden, verkonsumieren wir hoffentlich nicht unsere komplette Existenzgrundlage. Ich bin allerdings kein Freund von Schwarzmalerei, was die Zukunft angeht. Weil es in keiner Weise hilfreich ist. Ich versuche lieber, ein für mich authentisches Leben zu führen, das hoffentlich andere dazu inspiriert, das gleiche zu tun.

Vielen Dank für das Gespräch, Tobias. Magst Du zum Abschluss noch verraten, wie man an Dir dran bleiben und mit Dir in Kontakt treten kann?

Danke, Christof. Alles über meine Musik findet man auf der Trailhead-Seite, meine Reiseberichte auf dem Blog und alles weitere auf Facebook, Instagram, Spotify und YouTube. Wer mag, kann mir auch mailen, aber am schönsten ist es immer, Leute auf meinen Konzerten kennenzulernen.

Tobias Panwitz alias Trailhead spielt etwa 50 Konzerte pro Jahr.
Tobias Panwitz alias Trailhead spielt etwa 50 Konzerte pro Jahr.

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17 Minimalismus- und Nachhaltigkeit-Bloggerinnen verraten, worauf sie "verzichten" und was sie dadurch gewinnen

Vor genau sechs Jahren habe ich den ersten von mittlerweile 289 Artikeln auf meinem Blog Einfach bewusst veröffentlicht.

Aus diesem Anlass lasse ich heute andere zu Wort kommen. Ich habe 17 meiner Lieblingsbloggerinnen und -autorinnen gefragt, worauf sie „verzichten“, warum sie das tun und was sie dadurch gewinnen. Dass nur Frauen zu Wort kommen, liegt daran, dass die wenigen Männer, die über Minimalismus und Nachhaltigkeit schreiben, meine Anfrage nicht beantwortet haben oder keine Zeit hatten.

Es sind ganz unterschiedliche Antworten zusammengekommen. Sie zeigen, wie vielfältig Minimalismus gelebt werden kann. Sie regen dazu an, nicht nur Gegenstände loszulassen. Und sie lassen erahnen, dass man mehr vom Leben hat, wenn man weniger besitzt und nicht besessen ist, überall mitmischen zu müssen.

PS: Einige der Bloggerinnen haben auch schon verraten, wie sie Ressourcen sparen und wie sie einfach und bewusst leben.

Corinna: „Auch in Freundschaften achte ich auf Qualität vor Quantität.“

Corinna Sonja Stenzel

„Qualität vor Quantität … Früh habe ich gespürt, dass mich dieses Lebenskonzept glücklich macht. Zu Ostern wollte ich schon immer lieber einen hochwertigen Schokoladenhasen, der ein besonderer Genuss ist, als fünf nicht wirklich gut schmeckende vom Discounter. Und auch auf meine Freundschaften wende ich dieses Konzept bewusst an. Ich möchte lieber wenige gute Freunde in meinem Leben haben als viele, die keine wirklichen sind. Wir lernen heute in unserer globalisierten, digitalisierten Welt immer schneller immer mehr Menschen kennen. Wer hat nicht hunderte Facebook-‚Freunde‘ oder all die ehemaligen Kommilitonen, die jetzt auf der ganzen Welt verstreut zuhause sind? So sehr ich Menschen liebe und so leicht und tief ich sie in mein Herz schließe, so sehr hat mich diese Flut an Bekanntschaften auch ausgezehrt. Je mehr Menschen in mein Leben getreten sind, desto weniger Zeit hatte ich für den einzelnen und desto oberflächlicher wurde der Umgang. Doch ich möchte keine Oberflächlichkeit in meinem Leben. Ich möchte Tiefe, Leidenschaft, Unterstützung, Geborgenheit und Beständigkeit in meinen Freundschaften! Und diese Sattheit kann nur erreicht werden, wenn wir uns wahrhaftig Aufmerksamkeit und Zeit schenken. Deshalb wähle ich heute bewusst aus, wem ich einen großen Teil meiner wertvollen und begrenzten Lebenszeit schenke. Mit wem halte ich nur aus Höflichkeit Kontakt und auf wen freue ich mich wirklich? Welche Kontakte rauben mir nur Energie und welche nähren mich? Wer tut mir wirklich gut? Von wem kann ich lernen? Welche Freundschaften bringen mich weiter in meinem Leben? Mit wem fühle ich mich zuhause? Mit wem kann ich Ich sein? Welche Beziehungen in meinem Leben sind es mir wert, ihnen wahrhaftig und aus tiefstem Herzen den so kostbaren Begriff der ‚Freundschaft‘ zu schenken?“

Corinna Sonja Stenzel ist Coach für Selbstliebe. Sie hilft Menschen dabei, sich selbst kennen und lieben zu lernen. Die Beziehung, die wir zu uns selbst haben, überträgt sich auch auf alle anderen Beziehungen in unserem Leben. Corinnas Mission ist es, Menschen zu verstehen zu geben, dass Selbstliebe genau das Gegenteil von Egoismus ist. Nur wenn wir uns selbst lieben, können wir auch andere lieben.

Kathrin: „Ich verzichte darauf, durchgehend verplant zu sein – beruflich wie privat.“

Kathrin Lucia Meyer

„‚Du sorry, bin gerade total im Stress‘ – wie oft höre ich das von meinen Mitmenschen und habe es auch selber oft genug ausgesprochen und mir die Zeit für einen spontanen Plausch mit Freunden und Familie nicht genommen. Ich denke, kein anderer Satz spiegelt die Grundhaltung in unserer Leistungsgesellschaft besser wieder. Sei es beruflicher oder privater Stress, wir müssen durchgehend einen Plan haben – ja verplant sein – um uns bedeutsam zu fühlen. Ich verzichte immer mehr darauf – beruflich wie privat, auch wenn ich dann mal etwas verpasse. ‚Gerade total im Stress‘ ist bei vielen doch schon Dauerzustand. Dabei war es als Kind das herrlichste Gefühl, in den Ferien einfach in den Tag hineinzuleben, stundenlang in einem Buch zu versinken oder so lange an einem Spiel zu sitzen, wie es eben Spaß machte. Wer von uns macht das heute noch? Als Erwachsener müssen wir uns für alles, was wir tun oder eben nicht tun, rechtfertigen. Sei es vor uns selbst (’sei produktiv‘) oder unseren Mitmenschen. Schnell wird man als orientierungslos oder faul abgestempelt. Dabei haben so viele vergessen, wie gut sich Muße und Spontanität anfühlen können – und wie wichtig sie fürs geistige und körperliche Wohlbefinden sind. Als Freiberuflerin habe ich – abgesehen von fixen Abgabeterminen – natürlich viel mehr Möglichkeiten, spontane Einladungen zum Kaffeetrinken anzunehmen. Im Homeoffice kann ich zwischendurch einfach mit dem Hund rausgehen und bei schönem Wetter früher den Stift fallen lassen, um dann abends an meinen Projekten weiterzuarbeiten. Sein eigener Chef zu sein, hat trotz finanzieller Unsicherheiten seinen ganz eigenen Charme – und auch für andere ist diese Flexibilität Gold wert, da ich dort einspringen kann, wo gerade Not am Mann (beziehungsweise der Frau) ist. Und sei es nicht nur auf einen spontanen Kaffee, sondern gleich die Tour ins Tiroler Wellnesshotel, weil die Oma der Freundin krank geworden ist und ich einspringen ‚muss‘ …“

Kathrin Lucia Meyer ist Mitbegründerin des Journalistenbüros K & K – Die Textlieferanten und arbeitet als freie Journalistin, Social Media Managerin und Seminarleiterin. Als Systemischer Coach in Ausbildung lernt sie gerade, wie man seinem Gegenüber dabei helfen kann, ungesunde und eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster zu ändern.

Maria: „Ich kaufe seit Jahren keine Lebensmittel mehr.“

Maria Glatz

„Schätzungen zufolge werden weltweit rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeworfen oder sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Als ich 2013 das erste Mal mit eigenen Augen sah, was in den Mülltonnen der Lebensmittelgeschäfte landet, hat sich in mir Widerstand geregt. Seitdem kaufe ich keine Lebenmittel mehr, sondern ernähre mich ausschließlich von dem, was sonst im Müll landen würde. Das funktioniert einerseits durch meine Mitarbeit bei Foodsharing und andererseits durch den Kostnixladen, den ich zusammen mit anderen in Gratkorn in der Steiermark gegründet habe. Der Kostnixladen hat Kooperationen mit verschiedenen Geschäften und es dürfen all jene Lebensmittel abgeholt und verschenkt werden, die nicht mehr verkauft werden können, weil sie entweder abgelaufen sind, nicht mehr schön genug sind oder weil die Verpackung beschädigt wurde. Seitdem ist mein Speiseplan viel bunter und ich betrachte es als Bereicherung. Früher habe ich gewohnheitsmäßig oft zu den selben Lebensmitteln gegriffen und nun ist jeder Tag eine Überraschung. Ich habe unzählige neue Nahrungsmittel kennen lernen dürfen und viele zusätzliche Gaumenfreuden entdeckt. Darüber hinaus gibt es mir ein gutes Gefühl, dass durch meine Mitarbeit in den letzten 5 Jahren mehr als 100 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden konnten.“

Maria bloggt auf Widerstand ist zweckmäßig über grünes Leben, Lebensmittelretten, Müllvermeidung, DIY, Minimalismus und Achtsamkeit.

Johanna: „Der Verzicht auf einen Vollzeitjob bringt mir mehr Freiheit.“

Johanna Wagner

„Freiheit im Alltag ist neben Gesundheit mein höchstes Gut. Eine 40-Stunden-Woche mit Überstunden und langen Arbeitswegen würde mir Zeit, Energie und Selbstbestimmung und damit mein Glück klauen. Ich möchte meine Woche – meine Wochen, mein Leben – selbst gestalten können: Zeit haben, wenn Besuch da ist; mein Gesicht in die Sonne halten, wenn sich ein wolkenloser Tag ankündigt; einen Mittagsschlaf machen, wenn ich müde bin. Mit einem Teilzeitjob und meiner selbstständigen Nebentätigkeit gelingt mir das an den meisten Tagen sehr gut. Freiheit und Sicherheit stehen in Balance, sodass ich durch den Verzicht auf ein höheres Einkommen Selbstbestimmung, Zeit und Glück gewinne.“

Johanna Wagners Leidenschaften sind die ganzheitliche Gesundheit, die Fotografie und das Schreiben. Sie ist fasziniert von fremden Kulturen, fernen Ländern und Sprachen. Doch mittlerweile geht es ihr weniger ums Reisen, sondern ums Ankommen im hochkomplexen, überschleunigten, stets erreichbaren Leben. Auf Einfach bewusst hat Johanna die Gastartikel „Minimalismus im Kopf“, „Wir sind doch nie zufrieden“ und „Zurück zu den Wurzeln und mit den Händen mal wieder die Erde berühren“ veröffentlicht.

Lisa: „Ich versuche, weniger zu lamentieren.“

Lisa Albrecht

„Jammern und klagen kann befreiend sein, gar keine Frage. Zuviel Gejammer kann jedoch selbst den besten Zuhörer in die Flucht schlagen und man kann sich selbst auf die Nerven gehen. Jeder lamentiert mal. Das ist blöd, die sind schuld und die Welt ist einfach schlecht. Wirklich? Ich musste mich in letzter Zeit auch öfters an die Nase fassen und klagende Gedanken verscheuchen. Ich muss mich gerade stark in Geduld üben und ins Vertrauen gehen. Statt zu jammern, hilft es mir, nach Lösungen und neuen Aufgaben zu suchen. Regelmäßiges Lamentieren kann einen dauerhaft in eine depressive Stimmung versetzen. Je länger man klagt, umso schlechter fühlt man sich. Jede Situation scheint aussichtslos. Diese wichtigen Fragen helfen mir, aus der Jammerstimmung herauszukommen: Ist meine Situation wirklich aussichtslos? Fühlt sich das Lamentieren gut an? Oft beantworte ich beide Fragen mit nein. Es gibt doch Wege und Lösungen. Schon beginnt ein neuer Gedanke zu wachsen, mit deutlich mehr positiver Energie. Je öfter ich diese Technik anwende, umso weniger verfalle ich in eine jammernde Stimmung. Denn eins ist klar: Ich bin für mein Leben verantwortlich, jammern hilft nur kurzfristig. Statt zu lamentieren, kümmere ich mich einfach um die aktuelle Baustelle, schon ist man wieder in Bewegung und es geht weiter.“

Auf Lisa Albrechts Blog Ich lebe grün! findest Du jede Menge Inspirationen für einen nachhaltigen, gesunden und glücklichen Alltag.

Aljona: „Ich lasse das Bügeln sein – und anderes mehr, was vermeintlich von mir erwartet wird.“

Aljona Buchloh

„In unserem Haushalt gibt es weder ein Bügeleisen noch ein Bügelbrett. Die Wäsche wird direkt auf dem Wäscheständer zusammengelegt und landet anschließend im Kleiderschrank. Bisher wurde noch niemand von uns auf ein verlottertes Äußeres angesprochen – und selbst wenn, wäre das für mich kein Grund, mit dem Bügeln anzufangen. Ich denke, genau das ist es, worauf ich gerne verzichte: auf Dinge, Aktivitäten und zwischenmenschliche Beziehungen, die mir das Leben schwer machen und nur aufgrund von gesellschaftlichen Erwartungen und der Einstellung ‚Das macht man eben so‘ aufrecht erhalten werden. Meine Lebenszeit ist mein kostbarstes Gut. Diese möchte ich möglichst mit den Dingen, Aktivitäten und Menschen füllen, die mir und meiner kleinen Familie gut tun.“

Aljona Buchloh schreibt über ihren ganz persönlichen Weg zu einem einfacheren Leben. Sie nennt das kurz Meinimalismus.

Christin: „Ich verzichte auf den Komfort der Unwissenheit.“

Christin Marit

„Lesen ist mein bester Freund, aber es gibt Momente, in denen ich gerne weniger wüsste. Mit weniger Wissen könnte ich mein Glas Wein mehr genießen, wenn ich nicht den Verlust von REM-Schlaf im Kopf hätte, ich müsste nicht darüber nachdenken, welche Art von industriell verarbeiteter Nahrung ich wohl letzte Woche bei der Esseneinladung konsumiert habe, was das Plastik, aus dem ich das Olivenöl auf mein Brötchen im gemütlichen Restaurant gieße, den Meeresbewohnern antun wird und dass das leckere Brötchen ohnehin keinen Nährwert hat, und ich stattdessen besser das Fenster mit dem verwendeten Mehl abdichten könnte. Und morgen, wenn ich Kaffee kaufe, werde ich mir – wie immer – überlegen, welches Fair-Trade-Siegel wohl das kleinste Übel ist und wie wahrscheinlich es ist, dass sich die betreffenden Kaffeebauern – trotz der aktuellen schlechten Marktlage – noch ernähren können. Genau genommen, verspüre ich häufig das Bedürfnis nichts mehr essen oder kaufen zu wollen. Wäre es nicht viel bequemer, von all diesen Dingen einfach nichts zu wissen? Es scheint, dass wir mit jedem Blogartikel, jedem Fachbuch, mit jedem Wissen, das wir erwerben, Wissen auf Kosten des alltäglichen Komforts gewinnen. Wir opfern diese bequeme, praktische und schuldfreie Einstellung des Verbrauchers. Ganz bewusst. ‚Verzicht‘ klingt bedrückend und negativ, aber das muss es nicht sein, wenn es für etwas steht. Wenn es einen Glauben repräsentiert! Natürlich bin ich keinesfalls perfekt in der Umsetzung und wir sollten auch – trotz bester Absichten – den Kontakt mit dem Selbstmitgefühl nicht verlieren. Aber indem ich bewusst entscheide, was mir, anderen und für den Planeten wichtig ist, welche Werte ich verfolge und warum, ‚verzichte‘ ich aus meinem freien Willen heraus und verwandle das Opfer in etwas Positives. Indem ich aus meinem Glauben heraus handle, bin ich glücklich, nicht zu viel industriell verarbeitete Produkte und Lebensmittel zu konsumieren, ich bin froh, mein eigenes Brot zu backen und dass ich nicht viel Platz brauche und Müll reduziere, denn ‚Zeug‘ zu kaufen, bedeutet mir nichts mehr. Und auch wenn meine Bemühungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein mögen, so weiß ich doch, dass ich zumindest versucht habe, die Gewinne der schlimmsten kriminellen Unternehmen nicht zu unterstützen oder die Plastikberge im Meer zu erhöhen. So wie ich selbst stetig inspiriert werde, hoffe ich durch meine Handlungen andere zu inspirieren. Denn ich bin überzeugt, dass selbst minimale kollektive Einstellungsänderungen zu einer etwas besseren Welt führen können.“

Christin Marit ist fasziniert an allem, was das Leben glücklicher, gesünder und weniger kompliziert macht. Sie nutzt ihre Fähigkeiten und kreativen Talente, um Lösungen für alltägliche Herausforderungen in einer immer komplexeren und schnelllebigeren Gesellschaft zu finden, und teilt ihre Ideen und Gedanken gerne mit möglichst vielen Menschen.

Gabi: „Seit ich mein Auto verkauft habe, kann ich weniger arbeiten.“

Gabi Raeggel

„Ich verzichte sehr gerne auf das eigene Auto und damit verbunden auf die Belastungen, die mit einem solchen fahrbaren Untersatz verbunden sind. Alle Kosten eingerechnet waren es rund 350 € monatlich, die ich in das eigene Auto investieren musste: Kosten für Anschaffung, Benzin, Versicherung, Inspektion, Reparaturen etc. Jetzt spare ich nicht nur das Geld, sondern auch Nerven, wenn mal wieder etwas in der Autowerkstatt nicht richtig läuft, die Straßen verstopft sind oder kein Parkplatz zu finden ist. Ich spare aber nicht nur Geld und Nerven, sondern habe insbesondere an Lebensqualität gewonnen. Bus, U-Bahn und S-Bahn sind direkt bei mir um die Ecke und ermöglichen mir, mobil zu bleiben. Ich lebe gesünder, weil ich mich viel mehr zu Fuß bewege und ich genieße meine Arbeitszeitreduzierung – das Auto muss ich ja zum Glück nicht mehr finanzieren.“

Gabi Raeggel bloggt über Achtsamkeit und Minimalismus als Lebenskunst. 2018 hat sie den Ratgeber „Wenig Dinge braucht das Glück“ veröffentlicht.

Tanja: „Ich bin glücklich – obwohl oder besser gesagt weil ich nicht fliege.“

Tanja Heller

„‚Warum fliegst Du nicht mal wieder?‘ – ‚Weil ich nicht fliegen will.‘ – ‚Wieso? Hast du Flugangst?‘ – ‚Nö, ich will später mal mit Frieda Bäume streicheln. Mein Enkelkind in spe. Das soll noch eine Lebensgrundlage haben.‘ – ‚Ah … !‘ Ja, ich weiß, ich bin manchmal schräg. Aber: Flugreisen sind der Klimakiller Nummer 1. Ein Urlaubsflug nach Teneriffa ist so schädlich wie ein Jahr Autofahren. Meine Nachbarin erzählte neulich stolz, sie war mit dem Flieger in Alaska. ‚Warum?‘, frage ich sie. Das wusste sie auch nicht. Von wegen, Reisen bildet! Hab ich ja immer bezweifelt. Sind Fernreisen das neue Statussymbol? Unter uns: Ich war mal in Afrika in der Wüste. Eine sandige Angelegenheit. Muss ich da hin? Grenzenlose Mobilität brauche ich nicht mehr. Das ist kein Verzicht für mich. Es steht mir nicht zu. Für Frieda.“

Tanja Heller liebt Freisein und Fairänderung. Sie ist freie Werbetexterin und schreibt E-Books über Simple Living, Skin Picking und Trichotillomanie. Für Einfach bewusst hat sie den Gastartikel „Weniger ist mehr: Mein Weg aus dem Konsumpf“ verfasst

Huong: „Ohne Fernseher ist mein Leben einfach schöner.“

Huong Tran

„In meiner Wohnung gibt es keinen Fernseher. Das fällt den meisten Besuchern auch als erstes auf. Es handelt sich also um einen Gegenstand, der so selbstverständlich ist, dass er kaum hinterfragt wird. Ganz anders aber sein Verzicht: ‚Wie ist das so, ohne Fernseher?‘, werde ich oft gefragt ‚Schöner‘, antworte ich dann meist. Ich habe mich von seinen Fesseln befreit. Das klingt zwar sehr dramatisch, bringt es bei mir aber genau auf den Punkt. Denn dieser einzelne Gegenstand beansprucht viel Aufmerksamkeit und Lebenszeit. Früher fühlte ich mich oft unfrei, weil ich mich nach den vorgegebenen Sendezeiten richtete, statt umgekehrt. Hinterher war ich dann unzufrieden, weil mich das meiste nicht interessierte. Als ich anfing, mich stattdessen Dingen zu widmen, die mich mit mehr Sinn und Freude erfüllten, wie zum Beispiel lesen, schreiben oder häkeln, empfand ich das als sehr viel bereichernder. Ich hatte plötzlich mehr Zeit für das, was mir wichtig ist. Heute konsumiere ich eher weniger Medieninhalte, dafür aber ganz bewusst und nutze dafür Streamingdienste. Das genieße ich dann auch richtig. Ohne Fernseher vermisse ich also nichts.“

Huong Tran ist freie Redakteurin und schreibt auf ihrem Blog Minimalkonzept über das einfache Leben, nachhaltige Projekte, interessante Menschen und Bücher, die das Leben bereichern.

Ilona: „Ich verzichte aufs Rechthabenwollen.“

Ilona Koglin

„Eigentlich finde ich die Bezeichnung ‚verzichten‘ hier nicht richtig. In unserer Kultur ist das sehr negativ besetzt. Es klingt so, als würde man sich einen dringlichen Wunsch versagen. Etwas nicht tun, haben oder sein, was man wirklich gerne hätte, täte oder wäre. ‚Loslassen‘ oder ‚befreien‘ klingt schon richtiger. Denn es geht in Wahrheit darum, den Wunsch selbst nicht mehr zu haben – und nicht, ihn sich zu versagen. Es geht darum, sich von der alltäglichen Diktatur des Egos zu befreien, die einem zuflüstert, was man noch braucht, noch tun oder wie man sein sollte, um beliebt, glücklich oder auch nur akzeptabel zu sein. Sich in dieser inneren Befreiung zu üben, ist ein edle Lebensaufgabe. Und ich habe gelernt, dass das Rechthabenwollen loszulassen, eine besonders gute Übung auf dem Weg zu innerer Freiheit ist. Wer kennt nicht eine Situation, in der man seine Meinung nur noch verteidigt, weil man sich mit ihr identifiziert? Weil eine andere Meinung wie ein persönlicher Angriff wirkt? Mit etwas mehr Distanz könnte man vielleicht erkennen, dass die Argumente des anderen durchaus auch ihre Berechtigung haben. Doch das zuzugeben, fühlt sich wie eine Niederlage an. Als müsste man sich selbst ein Stückchen aufgeben. Das ist unser Ego. Alleine diesen Gedanken in einer solchen Situation zu haben reicht, um nicht mehr so sehr am Rechthabenwollen festzuhalten. Und erst wenn das geschafft ist, kann ich anderen Menschen wirklich zuhören. Ich kann aufhören zu kämpfen und andere erkennen und verstehen. Ich glaube, das ist nicht nur ein persönliches Ideal. Es ist etwas, was wir als Gesellschaft dringend brauchen, um Lösungen für die anstehenden ökologischen und sozialen Herausforderungen zu finden. Deshalb ist das auch politisch. Nicht zuhören können, bedeutet Vereinsamung, Isolation, Abgrenzung, Hass, in der extremsten Form Krieg. Zuhören können schafft Verbindung, Gemeinschaft, Kreativität, ja man kann sagen: Liebe. Hierfür das Wort ‚Verzicht‘ zu wählen, erscheint mir also wirklich unpassend. Aber ich fange schon wieder an Recht haben zu wollen ;-)“

Ilona Koglin und Marek Rohde berichten auf Für eine bessere Welt, wie wir unseren Planeten lebenswerter machen können. In Beiträgen, Workshops und den Büchern „Und jetzt retten wir die Welt“ und „Gärtnern für eine bessere Welt“ decken die beiden Handlungsspielräume auf, ermutigen durch Vorbilder sowie Vorreiter und unterstützen konkret bei der Umsetzung von Projekten. Auf Einfach bewusst hat Ilona zu „Mut für eine bessere Welt“ aufgerufen.

Nicole: „Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln.“

Nicole Weiß

„Wir haben in unserer Familie die Erfahrung gemacht, dass vermeintlicher Verzicht oft Gewinn bedeutet. Wir verzichten zum Beispiel auf den ‚Komfort‘ von Wegwerfwindeln. Stattdessen nutzen wir Stoffwindeln und möchten diese nicht mehr missen. Erst mit unserem dritten Kind hatten wir uns mit dem Thema Stoffwindeln befasst. Früher erschien uns der Gedanke zu abwegig. Warum sollten wir uns die Mühe machen, Windeln zu waschen, wenn es doch so praktische Windeln zum einmaligen Gebrauch gibt. Waren Stoffwindeln nicht von vorgestern und nur was für extreme Ökos? Wir hatten uns allerdings bereits zu sehr mit den vielen negativen Auswirkungen von Plastik auf unseren Planeten und unseren eigenen Körper beschäftigt, als dass wir uns für unser Kind 24 Stunden täglich den Kontakt mit Plastik und einem Mix aus unbekannten Chemikalien direkt auf der Haut vorstellen konnten. Ganz abgesehen von den Bergen an Müll, die damit verursacht werden. Unsere Recherche machte schnell klar: das vielfältige Angebot an unterschiedlichen modernen Stoffwindelsystemen und -anbietern kann zunächst überwältigend sein. Wenn man sich aber einmal die Mühe gemacht hat, das passendes System auszusuchen, ist es ganz leicht. Die Verwendung ist genauso einfach wie bei Wegwerfwindeln, nur wandern sie nach Gebrauch nicht in den Müll, sondern in die Waschmaschine. Stoffwindeln sind genauso auslaufsicher, viel umweltfreundlicher, fühlen sich besser an und es gibt sie in vielen wunderschönen Designs. Ein absoluter Gewinn für uns und unsere Umwelt und eine klare Empfehlung für alle Eltern.“

Nicole Weiß lebt mit ihrer Familie in der Nähe des Bodensees. Auf Familie ordentlich unterstützt sie Eltern, ihren Alltag zu organisieren und zu vereinfachen, um mehr Zeit zu gewinnen für das, was wirklich zählt – ihre Familie. Nicole hat 2017 den Ratgeber „Familie Ordentlich“ veröffentlicht.

Andrea: „Möglichst keine Fertigprodukte.“

Andrea Lammert

„Bewusst leben fängt für mich beim Einkaufen an. Ich mache mir über jedes Produkt, das in meinen Korb wandert, Gedanken. Seit vielen Jahren steht dabei immer dieselbe Fragekombination im Vordergrund: Brauche ich es wirklich oder kann ist es einfach selbst machen? Als erstes entfallen dabei aufwendig verpackte Fertigprodukte. Ich brauche sie nicht und koche seit Jahren mit Gemüse, Obst und Grundnahrungsmitteln, am liebsten vegan. Das gibt mir ein gutes Gefühl und hilft, eine Menge Müll zu vermeiden. Brot backe ist selbst. Bei mir gibt es Ciabatta statt Fertigpizza, wenn es schnell gehen muss. Aus Mandeln und Flohsamen kann man herrliche Sahne und Mozzarella machen und das auch noch vegan. Burger schmecken auch im Körnerbrötchen statt in diesen Labberbrötchen und die fleischlosen Frikadellen mache ich sowieso selbst. Im Herbst sammele ich mit meinen Kindern Äpfeln bei den Nachbarn, letztes Jahr 200 Kilogramm, bringe sie zur Mosterei und lasse leckersten Apfelsaft pressen. Marmelade kommt hier nur selbstgemacht auf den Tisch. Schon meine Tochter rührt sich seit sie sechs ist aus Sahne, Kakao und etwas Zucker eigene Schokoladencreme als Brotaufstrich an. Und das Beste daran ist: Alle sind glücklicher, weil gemeinsam kochen, einmachen und Äpfel sammeln auch ein Stück gemeinsame Zeit ist und Erfolgserlebnisse schenkt.“

Andrea Lammert ist Reisebuchautorin und schreibt auf ihrem Blog Indigoblau über nachhaltiges Reisen und Ziele in der Nähe.

Anne: „Ein Strudel aus Negativität – darauf kann ich getrost verzichten.“

Anne Tieseler

„Jeder hat mal einen schlechten Tag, bekommt mal eine ungute Nachricht oder hat negative Gedanken. Ich versuche nicht meine negativen Gedanken zu unterdrücken. Doch ein negativer Gedanke braucht nicht zu einem Strudel aus Negativität führen – darauf kann ich getrost verzichten. Ich versuche etwas Positives – und möglichst Praktisches – aus ihnen zu machen. Als ich vor acht Jahren anfing, mich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen, fand ich erschreckende Statistiken und ignorante Mitmenschen. Dabei wollte ich einfach Teil der Lösung werden und nicht Teil des Problems bleiben! Es war mir ‚egal‘, wie hoch der Müllberg Deutschlands tatsächlich war, solange ich anfangen konnte, ihn zu reduzieren. Für mich macht es keinen Sinn über andere zu urteilen oder die eigene Verschwendung mit dem konsumgesteuerten Lebensstil anderer zu rechtfertigen. Ich fing bei mir selbst an und verbesserte Stück für Stück meinen ökologischen Fußabdruck. Eine Freundin hat mal bei uns übernachtet und wir haben kein einziges Mal über Zero Waste oder Nachhaltigkeit geredet. Aber sie hat gesehen, wie wir leben. Ein paar Wochen später rief sie mich an und erzählte, dass sie nun einiges in ihrem Haushalt nachhaltiger macht. Das fand ich wirklich toll! Vorleben bringt mehr als tausend Worte. Und es ist wichtig, sich auch mal Zeit zu nehmen, um sich über eigene Erfolge sowie die Erfolge anderer zu freuen. Es soll Spaß machen, andere für mehr Nachhaltigkeit zu begeistern. Zudem finde ich es hilfreich, meine Gedanken positiv und klar zu formulieren. Das fühlt sich gleich anders an. Es motiviert zum Beispiel auch meinen zweijährigen Sohn, Dinge gut zu machen anstatt nur weniger schlecht. ‚Halte das Glas bitte gut fest‘ zu sagen macht einen großen Unterscheid anstelle ‚Lass das Glas bitte nicht fallen‘ zu sagen. Es nimmt ihm die Angst, etwas falsch zu machen, stärkt sein Selbstbewusstsein und drückt die Erwartungshaltung aus, dass er etwas kann. Wenn wir anfangen, unsere negativen Gedanken und Befürchtungen in positive Aussagen und Taten zu verwandeln, können wir als einzelner Mensch viel bewegen.“

Bei Live-Veranstaltungen und auf ihrem Blog Grüner Alltag gibt Anne Tieseler Denkanstöße und praktische Alltagstipps, die jeder sofort umsetzen kann.

Annalena: „Zero Waste bereichert mein Leben.“

Annalena van Beek

„Seit einigen Jahren verzichte ich auf Müll. Der Satz scheint ein Oxymoron zu sein und das gefällt mir. Seit ich den Zero Waste lebe, höre ich häufig, dass das ja löblich sei, man aber eh nicht auf alles verzichten könne und außerdem für so einen Lebensstil viel Zeit und Geld bräuchte. Tatsächlich spare ich damit aber Zeit und Geld, denn ich kaufe keinen sinnlosen Dinge mehr, die dann herumstehen und abgestaubt werden müssen. Und was den Verzicht angeht: Der Zero-Waste-Lebensstil ist für mich kein Verzicht, sondern eine Bereicherung. Ja, ich verzichte auf unsinnige Verpackungen und Dinge, aber tatsächlich schenkt mir das die Energie, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, meine Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge im Leben zu richten.“

Annalena van Beek ist eine ehemalige Chemielaborantin, die genug vom Müll und Plastik hat. Sie studiert Ernährungswissenschaften und unterrichtet Yoga. Außerdem gibt sie in Vorträgen, Workshops und auf ihrem Blog Zero Waste Minimalist viele Tipps zum müllfreien und minimalistischen Leben.

Sabrina: „Gewaltfrei kommunizieren anstelle Schubladendenken.“

Sabrina Kley

„Ich bemühe mich, auf moralische Urteile zu verzichten. Dazu gehört das Sortieren von Menschen in ‚die sind gut‘- und ‚die sind schlecht‘-Schubladen, oder auch in ‚Umweltsünder‘- und ‚Faulpelz‘-Schubladen, genauso wie das Verurteilen von mir selbst, wenn ich meinen manchmal hohen Ansprüchen nicht gerecht werde. Durch Urteile verlieren wir die Verbindung zueinander und damit die Chance andere zu erreichen und erreicht zu werden. Anstatt so zu urteilen, will ich Situationen danach einschätzen, wie ich mich darin fühle und welche Bedürfnisse sie mir erfüllen oder nicht erfüllen. Wenn ich z. B. beobachte, dass eine Person Müll fallen lässt, bin ich zunächst aufgebracht, weil ich mir Achtsamkeit und geteilte Verantwortung für unsere gemeinsame Mitwelt wünsche und gleichzeitig fehlt mir Leichtigkeit, weil ich mich nun verantwortlich für den Müll der anderen Person fühle. Und dann will ich gleichzeitig offen dafür sein, wie sich der andere Mensch in dieser Situation fühlt und welche Bedürfnisse für ihn erfüllt oder unerfüllt sind. In der Müll-Situation fällt mir auch als erstes Bedürfnis Leichtigkeit ein, weil ‚aus den Augen aus dem Sinn‘. Sonst bin ich auch ein bisschen ratlos. Wenn ich die Person nun ansprechen sollte, macht es einen Riesenunterschied, ob ich sie innerlich als ‚Umweltverschmutzerin‘ abgeurteilt habe, oder ob ich neugierig bin, was sie dazu bewegt, ihren Müll einfach fallen zu lassen. Denn Menschen reagieren gerne mit Abwehr und Rückzug auf Urteile. Deswegen finde ich gerade, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen wichtig, von den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu sprechen und offen für die der anderen zu sein. Das heißt nicht, dass ich nun gut finden muss, dass jemand Müll in die Natur wirft. Aber die Chancen erhöhen sich, dass die andere Person auch meinen Standpunkt hören kann, wenn sie sich gehört fühlt und nicht das Gefühl hat, ich halte mich für einen besseren Menschen. Hier ist nur ein kleiner Ausschnitt zu dem Thema möglich. Wenn du mehr wissen willst, suche am Besten nach dem Stichwort ‚Gewaltfreie Kommunikation‘.“

Sabrina Kley schreibt auf dem Niemblog über verschiedene Themen rund um gesellschaftliche Veränderung – dazu gehört Ressourcen sparen genauso wie Gewaltfreie Kommunikation, vegane Ernährung genauso wie Visionen über eine Welt, auf der wir wirklich leben wollen.

Stefanie: „Shampoo, Duschgel und Deo kommen mir nicht mehr auf den Kopf und die Haut.“

Stefanie Heidtmann

„Oft sind die Menschen überrascht, wenn sie erfahren, dass ich seit über drei Jahren kein Shampoo, kein Duschgel und kein Deo mehr benutze. Diese industriellen Gifte meinem Körper vorzuenthalten, tut mir sehr gut. Die eingesparte Menge an Mikroplastik tut der Umwelt und somit auch wieder mir gut. Kein Geld für unsinnige Kosmetik-Kampagnen zu verbraten, tut meinem Geldbeutel gut. Mich bewusst zu pflegen tut meiner Seele gut. Es gewinnen also alle. Angefangen hat es mit der Erkenntnis, dass in fast allen Shampoos krebserregende Stoffe enthalten sind. Die wollte ich mir nicht mehr regelmäßig auf den Kopf kippen. Ich fing an mit allem zu experimentieren, was meine Küche hergab. Von Roggenmehl über Heilerde bis hin zu Essig habe ich mir schon so einiges in die Haare geschmiert. Schließlich bin ich bei Seife gelandet. Jawoll. Ganz normale Seife. Mal aus Olivenöl, mal selber gemacht und auch mal Kernseife. Reicht völlig. Am Anfang, wenn aus den Haaren so nach und nach die Silikone heraus gewaschen werden, verändert sich die Haarstruktur. Die Natur kehrt zurück. Bei den Deos war es ähnlich: Alu unter die Achsel? Geht gar nicht! Alternativen fand ich immer schon recht geruchsintensiv. Also wieder ran an die Speisekammer. Das beste Deo das ich jedem empfehlen kann: Natron. Es steht bei uns in einem Schälchen im Bad. Finger nass machen und unter die Achsel tupfen. Fertig. Wenn ich Lust auf extravagant oder Duft habe, dann nehme ich ein ätherisches Bio-Öl dazu. Man kann das Natron auch in Kokosöl auflösen und sich dann einen Deo-Roller herstellen. Mir reicht das Pulver. Und so hole ich mir auch jedes Mal ein kleines bisschen Base in meinem Körperhaushalt. Bleibt das Duschgel. Ist Dir mal aufgefallen, dass die Gele immer flüssiger werden und die Öffnungen in den Behältern immer größer? Das dient dem (unnötigen) Mehrverbrauch. Ein Fingerhut voll Duschgel reicht vollkommen aus, um Deinen gesamten Körper zu reinigen. Ich nutze meistens gar nichts mehr. Und wenn, dann habe ich ja das Stück Seife, mit dem ich mir praktischer Weise auch den Kopf wasche. Hält ewig. Auch ich habe nicht alle Produkte von heute auf morgen ersetzt. Aber wenn ich Dich ermuntern konnte, es wenigstens mit einem zu versuchen, dann freue ich mich riesig!“

Stefanie Heidtmann setzt beim Thema Nachhaltigkeit auf Aufklärung und Bewusstsein. Ganz gemäß der Idee: Ein einzelner Tropfen ist wenig, viele Tropfen bilden einen Ozean. In ihrem Blog geht es um das Entdecken und Leben des eigenen Potentials – weil jeder Tropfen von Bedeutung ist.

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Gefüllte Paprika aus dem Ofen - ganz einfach und vegan

Vegan, schnell im Ofen, raffiniert – Zeit: 45 Min. – Schwierigkeit: leicht

Manche meiner Gerichte bzw. Rezepte entstehen rein zufällig. Diese Paprika aus dem Ofen zählen dazu.

Vor ein paar Jahren hatte ich plötzlich riesige Lust auf gefüllte Paprika. Die Rezepte, die ich in Kochbüchern und im Internet fand, waren mir zu aufwendig, da viele Zutaten benötigt wurden und für die Füllung geschnibbelt, gebraten und gekocht werden musste.

Paprika hatte ich zuhause, sonst aber kaum frische Zutaten. Als ich in meinen Vorräten eine Packung Grissini, diese italienischen Knabberstangen, entdeckte, kam mir die Idee, sie als Basis für die Füllung zu nehmen. Ich zerbröckelte die Grissini, vermengte sie mit weißen Bohnen, Pflanzenmilch, schwarzer Olivenpaste und grünen Oliven und füllte damit die Paprika. Was ich eine halbe Stunde später aus dem Ofen holte, verblüffte mich. Ich notierte das Rezept, versah es mit der Bestnote „++“ und heftete es in meine Rezeptsammlung ab.

Nun habe ich das Rezept ausgekramt und das Gericht ein paar Mal zubereitet. Diese vegan gefüllten Paprika sind so einfach und lecker, dass ich sie Dir nicht vorenthalten möchte.

Zutaten für 4 Portionen:
4 Paprika
100 g Grissini
1 Dose weiße Cannellini Bohnen (240 g Abtropfgewicht)
8 grüne Oliven
3 EL schwarze Olivenpaste
80 ml Pflanzenmilch, z. B. Mandel-, Reis- oder Hafermilch
Salz
Pfeffer
1 EL Olivenöl

  1. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  2. Die Paprika halbieren und entkernen, ohne dabei die Wände zu beschädigen.
  3. Für die Füllung die Grissini zerbröseln, die Bohnen in einem Sieb mit Wasser abspülen und mit einer Gabel zerdrücken und die grünen Oliven in kleine Stücke schneiden. Alles zusammen mit der schwarzen Olivenpaste und der Pflanzenmilch gut vermischen. Evtl. vorsichtig salzen und pfeffern (manche Oliven und Olivenpasten sind sehr salzig).
  4. Die Füllung in die Paprika streichen.
  5. Die Paprika in eine eingeölte Auflaufform geben und im Ofen 30 bis 35 Minuten backen.

Tipps:

  • Die gefüllten Paprika schmecken frisch aus dem Ofen oder kalt.
  • Anstelle der Grissini kannst Du Couscous verwenden, der in wenigen Minuten mit heißem Wasser quillt.
  • Für eine glutenfreie Variante bietet sich gekochte Hirse, Reis oder Quinoa an.
  • Auch die restlichen Zutaten kannst Du variieren. Finde heraus, welche Kombination Dir schmeckt und wie die Konsistenz der Füllung sein muss. Ich habe die Basis aus Getreide oder Pseudogetreide schon mit Pilzen, Zucchini, frischen Kräutern, Tomaten-Pistazien-Aufstrich, Oliven-Mandel-Pesto, Linsen, Tofu, Pinienkerne und Walnüssen kombiniert.

Buon appetito und guten Appetit!

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12 Ideen, im neuen Jahr einfacher und bewusster zu leben

Neues Jahr, altes Leid?

Zu wenig Zeit, zu viel zu tun? Sehnsucht nach Freiheit und Selbstständigkeit, aber auch nach Verbundenheit und Gemeinwohl? Träume und Wünsche, die sich dann doch nicht erfüllen? Sorge, etwas zu verpassen, und zugleich Sorge um die eigene Gesundheit und die der Welt?

Das muss nicht sein!

Dieses Jahr wird Dein Jahr!

Es gibt viele Wege, die zu mehr Minimalismus, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit führen.

Ich stelle Dir zwölf Ideen vor, wie Du einfacher und bewusster leben kannst. Sie liegen mir am Herzen, weil ich von ihrer Wirksamkeit überzeugt bin. Die Wege sind von mir erprobt, die meisten gehe ich schon seit Jahren. Interessiert Dich einer der Vorschläge besonders, findest Du weitere Informationen unter den verlinkten Artikeln und Büchern. Du kannst mir auch Fragen in den Kommentaren oder in einer E-Mail stellen.

1. Trenne Dich vom Ballast und lasse die Leichtigkeit Einzug halten

Der einfachste Weg, einfacher und bewusster zu leben, ist auszumisten. Deine Wohnung ist ein Spiegel Deiner Selbst. Chaotisch oder aufgeräumt, überquellend oder übersichtlich, voller Altlasten oder nichts außer Lieblingsstücke. Sich vom Ballast zu trennen, ist für die meisten der Einstieg in die minimalistische Lebensweise. Probiere es selbst aus. Reduziere Deinen Besitz. behalte nur die Dinge, die auch wirklich (ge)brauchst. Ich verspreche Dir, dass Du schon nach der ersten aussortierten Kiste einen Hauch von Freiheit, Leichtigkeit und Zufriedenheit spüren wirst.

Es gibt zahlreiche Methoden auzumisten. Finde heraus, mit welcher Du am besten zurechtkommst. Hier fünf Vorschläge: 1. Wenn es gründlich sein soll und nicht schnell gehen muss, empfehle ich meine Tabula-rasa-Methode, die schon von vielen erfolgreich angewendet wurde. 2. Johanna Wagner beschreibt in ihrem Buch „Verlauf’ dich nicht“, wie man nach der Japanerin Marie Kondo entrümpelt (der Text ist leicht abgewandelt auch auf myMONK zu finden). Die wichtigste Regel lautet: „Behalte nur Dinge, die Dich glücklich machen.“ 3. Du kannst aber auch klein anfangen und immer zwischendurch 15 Minuten ausmisten, zum Beispiel wenn Du auf Besuch wartest oder etwas im Backofen hast. 4. Trenne Dich einen Monat lang jeden Tag von zehn Dingen. 5. Veranstalte mit Freunden eine Entrümpel-Challenge. Einigt Euch auf eine Vorgabe wie „1 Jahr täglich 1 Gegenstand“, „1 Monat täglich 15 Minuten“ oder „am 1. Tag 1 Gegenstand, am 2. Tag 2 Gegenstände, am 3. Tag 3 Gegenstände usw.“ Treff Dich regelmäßig mit Deinen Freunden, um über den Fortschritt zu sprechen. Den Verkaufserlös der entrümpelten Gegenstände könnt ihr nach der Challenge spenden oder für eine gemeinsame Unternehmung verwenden.

2. Konsumiere weniger und lebe mehr

Damit Du nach dem Entrümpeln nicht gleich wieder mit dem Zurümpeln beginnst, solltest Du es Dir zu Gewohnheit machen, bei jedem Kaufwunsch kurz innezuhalten. Stelle Dir die folgenden Fragen, bevor Du das Objekt Deiner Begierde in einem Geschäft zur Kasse trägst oder online in den Warenkorb klickst: Brauche und gebrauche ich den Gegenstand wirklich? Erleichtert oder bereichert er mein Leben? Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um mir den Gegenstand leisten zu können? Oft macht ein Neukauf bei genauerer Betrachtung wenig Sinn. Wir kaufen um des Kaufens willen. Wir kaufen aus Frust. Wir kaufen, um uns zu belohnen. Wir kaufen aus sozialem Druck. Schlafe ein paar Nächte drüber, wenn Du Dir nicht sicher bist, ob der Gegenstand nicht nur eine kurze Liebschaft ist. Oft wirst Du ihn schnell vergessen haben. Der vermeintliche Verzicht entpuppt sich als Gewinn – für Dich, für Deine Mitmenschen und für die Umwelt. Denn je weniger Du konsumierst, desto mehr Zeit hast Du. In all den Stunden, die Du mit dem Geldverdienen, Kaufen, Instandhalten, Pflegen, Verwenden, Entsorgen und wieder Ersetzen verbringen würdest, kannst Du einfach leben.

Und selbst wenn Du den Gegenstand wirklich (ge)brauchst, solltest Du Dir überlegen, ob es nicht eine originelle Alternative zu dem ordinären Neukauf gibt. Oft ist leihen, tauschen, selbst herstellen, kostenlos besorgen oder Second Hand kaufen die besser Lösung.

3. Lebe unter Deinen Verhältnissen und investiere in Dein zukünftiges Ich

Schulden und Geldprobleme zählen zu den Hauptgründen, warum wir das beibehalten, was wir nicht mögen, und nicht das tut, von dem wir träumen. Wir glauben, dass wir nur dann dazu gehören, wenn wir viel ausgeben und viel besitzen. Es ist heutzutage ganz einfach, von Monatsgehalt zu Monatsgehalt oder gleich auf Pump zu leben. Kreditkartenzahlungen werden erst nach Wochen abgebucht, das Girokonto hat einen Dispo, manche Produkte werden mit einer 0-Prozent-Finanzierung angeboten und einen Kredit gibt es längst ohne Schufa-Auskunft. Solch ein Lifestyle kann Gefühle wie Stress, Angst, Frust und Hilflosigkeit auslösen. Ist man denen auf Dauer ausgesetzt, hat das wahrscheinlich negativen Einfluss auf die körperliche und seelische Gesundheit.

Es existiert ein Ausweg aus diesem Teufelskreis. Dieser Weg ist meiner Erfahrung nach der beste Finanztipp, den man bekommen kann: Lebe unter Deinen Verhältnissen! Das bedeutet, weniger Geld auszugeben als einzunehmen. Dafür stehen zwei Stellschrauben zur Verfügung. Entweder Du verdienst mehr oder Du gibst weniger aus. Ich empfehle, weniger zu konsumieren. Ein höheres Gehalt bedeutet meist mehr Arbeit und Stress. Außerdem führt es nur mit Disziplin zu einer höheren Sparquote. Wenn Du unter Deinen Verhältnissen lebst, profitierst Du auf mehreren Ebenen. Du wirst Dich selbstbewusster, ausgeglichener und zufriedener fühlen. Es werden Dir mehr Möglichkeiten offen stehen. Du wirst finanzielle und persönliche Freiheit erlangen. Selbst wenn Du nur 50 Euro pro Monat zurücklegst, bist Du über kurz oder lang schuldenfrei und baust Du Dir ein finanzielles Polster auf. Betrachte den monatlichen Betrag nicht als Sparen, sondern als Investition in Dein zukünftiges Ich.

4. Finde Dein Ikigai und gehe Deiner Leidenschaft nach

Wenn Dir bewusst ist, was Dich antreibt und Deine Leidenschaft ist, wird es Dir leichter fallen, Dein Leben zu vereinfachen, um Dich mehr dieser Leidenschaft zu widmen. „Die Reduktion auf das, was einem wichtig ist, macht einen am Ende reich“, antwortete Gilbert vom Blog Geist und Gegenwart auf meine Frage, wie er einfach und bewusst lebt. Wer seine Leidenschaft nicht nachgeht, der wird am Ende seiner Tage zu einer bitteren Erkenntnis kommen. Nichts bereuten die Sterbenden häufiger und mehr, als dass sie nicht das Leben geführt haben, das sie eigentlich hätten führen wollen.

In der japanischen Kultur ist tief verankert, dass jeder sein Ikigai sucht, findet und lebt. Ikigai heißt frei übersetzt „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Mittlerweile gibt es zahlreiche Artikel und Bücher auf Deutsch und Englisch, die helfen, Dein persönliches Ikigai zu finden (meins ist das Schreiben und Wandern). Für einen ersten Überblick empfehle ich den Utopia-Artikel „Ikigai: Das steckt hinter der japanischen Philosophie“. In dem Ratgeber „The Little Book of Ikigai“ (den es auch in einer deutschen Übersetzung gibt) stellt Ken Mogi mehrere Menschen vor, die ihr Ikigai und damit Sinn und Freude im Leben gefunden haben – egal, ob in der Karriere, in akribisch gepflegten Hobbys oder in den Beziehungen zu Freunden und der Familie. Ken Mogi stellt auch ausführlich auf die fünf Säulen des Ikigai vor: 1. Klein anfangen. 2. Loslassen lernen. 3. Harmonie und Nachhaltigkeit leben. 4. Die Freude an kleinen Dingen entdecken. 5. Im Hier und Jetzt leben.

5. Vergiss Multitasking und konzentriere Dich auf eine Aufgabe

Wir sind in der Lage, zwei Dinge zur gleichen Zeit zu tun, solange eines davon im Hintergrund passiert. Atmen und schlafen, Popcorn essen und einen Film schauen, bügeln und Musik hören, gehen und reden. Doch längst versuchen wir auf der Arbeit und in der Freizeit zwei oder mehrere komplexe Aufgaben auf einmal zu erledigen. Schließlich verlangt alles und jeder nach unserer Aufmerksamkeit: Smartphones, Telefone, Computer, Fernseher, Kollegen, Meetings, Konferenzen, Freunde, Verabredungen und die mehrere tausend Gegenstände, die jeder von uns besitzt. Dieser „way of life“ ist nicht der einzige Grund, warum wir das tun und uns das antun. Wir glauben, dass wir mit Multitasking effizienter und effektiver leben.

Multitasking ist aber nicht nur unser „way of life“, sondern auch ein „way of lie“. Es ist weder effizient noch effektiv. Was wir für echtes Multitasking halten, ist nur ein Wechsel zwischen den verschiedenen Aufgaben. Unser Hirn ist nicht darauf ausgelegt, sich gleichzeitig auf mehrere Sachen zu konzentrieren. Unsere Aufmerksamkeit wird geteilt oder auf eine der Aufgaben verlagert. Je komplexer zwei Aufgaben sind, desto schwieriger ist es, zwischen diesen hin und her zu springen. Wir verlieren nicht nur Zeit beim Wechseln, sondern auch weil wir uns jedesmal neu reindenken müssen. Laut Studien sind das bis zu 25 % mehr Zeit bei einfachen und bis zu über 100 % bei komplexen Aufgaben. „Wenn jeder Mensch in Deutschland eine Stunde am Tag ohne Unterbrechung durcharbeiten würde, bekämen wir den größten Innovationsschub aller Zeiten“, sagt der deutsche Psychologe Ernst Pöppel.

In meinen Blogartikel „Multitasking ade: Mehr Zeit und Gelassenheit“ gebe ich Tipps, wie Du Dir das Multitasking abgewöhnen kannst.

6. Starre weniger auf Bildschirme und schaue mehr in Augen

Sie haben sich klammheimlich in unser Leben geschlichen. Geräte mit Bildschirmen. PCs und Laptops, Fernseher, Smartphones und Tablets, E-Reader, Navigationssysteme, GPS-Geräte und Fotoapparate … Drinnen und draußen, Zuhause, an der Haltestelle, in den Öffis, im Auto, in der Schule und auf der Arbeit, beim Lesen, Lernen, Schreiben, Wandern, Laufen, Essen und Unterhalten … Online und offline, Text, Videos und Sounds, in 2D, 3D und VR, sozial, interaktiv, maßgeschneidert und vor allem omnipräsent. Wir sind Menschen, die auf Bildschirme starren. Möchte man wissen, wieviele Stunden man am Tag vor einem Bildschirm klebt, könnte die Berechnung schneller gehen, wenn man die Stunden zählt, in denen kein Bildschirm in Sichtweite ist.

Natürlich möchte ich nicht alles schlecht reden. Die Digitalisierung und das Internet können unseren Alltag vereinfachen. Es macht Freude, mit Freunden und der Welt in Kontakt zu bleiben. Gemeinnützige Projekte wie Wikipedia und Foodsharing wären ohne Vernetzung, PCs und Smartphones nie zustande gekommen. Auch meinen Blog und diesen Artikel gäbe es dann nicht.

Aber dass Geräte mit Bildschirmen in fast allen Lebenslagen überhand nehmen und wir uns dadurch weniger bewegen, schlechter ernähren, kränker werden, zu kommunizieren verlernen und Werte wie Empathie und Besonnenheit darunter leiden, halte ich für äußerst besorgniserregend. Der technische Fortschritt ist ein Geschenk – wenn man damit umzugehen weiß. Es steht Dir frei, öfter offline und „offdisplay“ zu gehen, um mal wieder durchzuatmen und Deine kostbare Zeit mit Deinen Lieben und Leidenschaften zu verbringen.

7. Sei dankbar und schätze auch Kleinigkeit wert

Der köstliche Kaffee am Morgen. Die Umarmung eines Freundes. Das bereichernde Gespräch mit dem Kollegen. Das Vogelgezwitscher im Garten. Der Duft der Bäume im Park. Das Lachen der Kinder. Das warme Abendessen. Die intakte Gesundheit. Die Zuverlässigkeit des Partners … Auch im Alltag und selbst an Tagen, an denen alles schief zu gehen scheint, gibt es großartige Kleinigkeiten, für die Du dankbar sein solltest. Sie bereichern Dein Leben und tragen zur Zufriedenheit bei. Du musst sie nur erkennen und festhalten.

Meine Schwester Sabine ist Achtsamkeitstrainerin und empfiehlt eine Dankbarkeitsübung, die ich schon lange absolviere: „Vor dem Schlafen gehst Du den Tag durch, lässt aufsteigen, was Dich bewegt hat. Der Schwerpunkt liegt auf den schönen Erlebnissen, also auf Dinge, Menschen und Situationen, für die Du Dankbarkeit spürst. Damit es noch besser verankert wird, ist es sinnvoll, eine Art Tagebuch anzulegen und die drei Dinge zu notieren, für die Du an diesem Tag am meisten dankbar warst. Wichtig ist, sich mit diesem Gefühl zu verbinden. Erst wenn es mindestens 20 Sekunden in der Wahrnehmung bleibt, hat es eine positive Auswirkung, die auch im Hirn messbar ist.“

8. Habe Mut zur Lücke und lasse öfter den Stift fallen

Kennst Du das Paretoprinzip? Es besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Zeit erreicht werden. Die restlichen 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Zeit. Immer, wenn etwas nicht perfekt sein muss (was oft der Fall ist), kann man also viel Zeit und Arbeit sparen.

Der italienische Mathematiker, Ingenieur und Soziologe Vilfredo Pareto beobachtete Ende des 19. Jahrhunderts, dass in seinem Garten die meisten Erbsen an nur wenigen Pflanzen wuchsen. Er rechnete nach und stellte fest, dass 80 % seiner Erbsenernte von nur 20 % seiner Pflanzen stammte. Dadurch neugierig geworden, untersuchte er, wie sich andere Dinge in der Welt verteilten. Er stellte zum Beispiel fest, dass ungefähr 80 % des italienischen Bodens von 20 % der Bevölkerung besessen wurde. Im 20. Jahrhundert kam heraus, dass das Pareto-Prinzip in vielen Bereichen der Wirtschaft und des Alltags gilt.

Paretos Weg zu gehen, bedeutet, Mut zur Lücke zu haben und sich zu trauen, den Stift fallen zu lassen, wenn nichts mehr zu tun ist. Wir werden von klein an auf Arbeit, Multitasking und Perfektionismus getrimmt. Neben einem hohen Selbstanspruch haben viele Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Sorge ist meist unbegründet. Man wird nicht dafür bezahlt, alle E-Mails zu beantworten oder eine ausgefeilte Dokumentation zu erstellen, die sowieso niemand liest, sondern für das zuverlässige Erledigen der Hauptaufgaben oder den erfolgreichen Abschluss eines Projekts. Nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in der Freizeit kann das Paretoprinzip Dir helfen, Aufgaben fokussierter und schneller zu erledigen. Du wirst mehr Zeit und weniger Stress haben. Und Du wirst wie von Zauberhand minimalistischer und nachhaltiger leben – weil Du erkennst, was zu Deinem Erfolg und Glück nötig ist und wie viel Du doch weglassen kannst.

9. Gehe wandern und bade im Wald

Wer hin und wieder auf Einfach bewusst vorbeischaut, wird mitbekommen haben, wie viel mir am Wandern liegt. Schon vor 200 Jahren schrieb der Schriftsteller und Weitwanderer Johann Gottfried Seume: „Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.“ Wandern kann jeder und das fast überall. Wandern ist minimalistisch und nachhaltig und lehrt uns zugleich, auch nach der Wanderung einfacher und bewusster zu leben. Wandern ist gesund und sorgt für Entspannung und Abenteuer. Wandern ist gut und günstig. Und Wandern kann so vielfältig sein, dass sogar Wandermuffel ohne Murren die Wanderstiefel schnüren.

Seit ein paar Jahren ist eine neue Disziplin in der wunderbaren Welt des Wanderns in aller Mund. Beim Waldbaden steht nicht die Fortbewegung im Vordergrund. Meist werden nur wenige Kilometer zurückgelegt. Es geht vielmehr darum, in die angenehme Atmosphäre des Waldes einzutauchen und diese mit den fünf Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten zu erleben. In Japan gilt Shinri Yoku, das Waldbaden, als Medizin. Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Waldbaden Stress und Krankheiten vermeiden und lindern kann.

Ich finde diese achtsamste Art des Wanderns sehr interessant. 2017 habe ich auf Usedom Europas ersten ausgewiesenen Kur- und Heilwald besucht. Den Ratgeber „IM-WALD-SEIN – Die natürliche Antwort auf Psychostress und Zivilisationskrankheiten“ habe ich hier kurz vorgestellt und zähle ich zu meinen Lieblinsgbüchern 2018.

10. Mache Urlaub in unseren Breitengraden oder gleich auf Balkonien

Anstelle mit dem Auto in den Stau und dann in den Süden zu fahren oder einfach unbewusst in die Ferne zu jetten, lege ich Dir ans Herz, Deine Ferien in unseren Breitengraden zu verbringen. Du könntest auf dem Rad von der Haustüre aus durch Dein Bundesland fahren, über die Alpen wandern oder mit dem InterRail-Ticket die Nachbarländer bereisen.

Das minimalistischste, nachhaltigste, günstigste und stressfreiste Urlaubsziel ist Balkonien. Dafür muss man nicht unbedingt einen Balkon, eine Terrasse oder einen Garten besitzen. Du verbringst die Ferien zu Hause, unternimmst Ausflüge in der Umgebung und schläfst im eigenen Bett. In meinem Artikel „Urlaub zu Hause“ für den re:BLOG gebe ich Tipps, wie Du die Annehmlichkeiten Deiner eigenen vier Wände mit der freudigen Aufgeregtheit einer Reise kombinieren kannst. Hat man den Dreh raus, eröffnet das eine interessante Möglichkeit: Balkonien ist so leicht zu erreichen, dass man sich dorthin jederzeit über ein Wochenende oder über die Feiertage zurückziehen kann – und zwar nicht nur im Sommer, sondern zu allen Jahreszeiten.

11. Koche einfach und esse achtsam

Selbst kochen oder essen gehen? Rein pflanzlich, vegetarisch oder omnivor? Exquisites Drei-Gänge-Menü, schnelles One-Pot-Gericht oder Tiefkühlpizza? Genauso wenig wie es den einen Minimalismus und die eine Ernährung gibt, gibt es auch nicht die eine minimalistische Ernährung. Du musst selbst herausfinden, welchen Aufwand Du betreiben möchtest, was Dir schmeckt, was Deinen Körper (und auch andere) nicht belastet und wie Du alles in Deinen Alltag integrieren kannst. Ich koche seit 30 Jahren mit Leidenschaft und beschäftige mich seit 10 Jahren mit der einfachen Lebensweise. Diese sieben Elemente machen für mich eine minimalistische Ernährung aus: 1. Weniger essen. 2. Mit wenigen Zutaten kochen. 3. „Gute“ Lebensmittel verwenden. 4. Simple Zubereitung bevorzugen. 5. Langsam essen. 6. Achtsam essen. 7. Auch auswärts einfach essen.

Auf meinem Blog finden sich zahlreiche Rezepte für köstliche Gerichte, die schnell gehen und nur wenige Zutaten benötigen. Wärst Du bei mir zu Besuch, würde ich als Vorspeise Tomatensuppe, Brot mit Oliven-Mandel-Pesto oder Couscoussalat, als Hauptgang Spinat-Kichererbsen-Curry, Rosenkohl-Kartoffel-Pfanne oder Pasta mit Volognese und als Dessert etwas Obst servieren.

12. Meditiere zwei, drei oder beliebig viele Sekunden

Der bekannte tibetisch-buddhistische Meditationsmeister Yongey Mingyur Rinpoche erklärt in diesem Video, dass man überall, jederzeit und auch nur für zwei oder drei Sekunden meditieren kann. In einem einfachen Meditationstraining muss man lediglich auf seinen Atem achten. Einatmen. Ausatmen. Einmal oder mehrmals. Das ist alles.

Meine Schwester Sabine beschreibt eine fortgeschrittenere Atemmeditation: „Plane für diese Übung 10 bis 20 Minuten Zeit ein. Sitze aufrecht und entspannt, die Augen wahlweise offen oder geschlossen. Richte die Aufmerksamkeit mit freundlicher Grundhaltung auf Deinen Atem. Werde Dir Deines Atems bewusst, ohne den Atem irgendwie zu kontrollieren oder zu manipulieren. Lass den Atem nur kommen und gehen. Entdecke dann die verschiedenen Aspekte der Atmung. Finde heraus, wo der Atem am deutlichsten zu spüren ist. Achte auf Deinen Brustkorb, wie er sich hebt und senkt. Spüre, wie sich Dein Bauch ausdehnt und zusammenzieht. Merke, wie die Luft an den Nasenlöchern eintritt. Folge aufmerksam dem Atem und verweile an der jeweiligen Stelle. Du kannst auch einen ganzen Atemzug verfolgen – vom Naseneingang, die Kehle hinunter bis in die Lungen und wieder zurück. Der Atem wird sich im Verlauf verändern. Er wird mal länger, mal kürzer sein. Spüre diesen Wechsel. Sobald Du bemerkst, dass die Gedanken vom Atem abschweifen, lasse die Gedanken ziehen und kehre liebevoll und freundlich zur Beobachtung des Atems zurück. Das wird und darf geschehen. Wenn du diese Übung beendest, ist es wichtig, das Gefühl der Achtsamkeit nicht sofort abzulegen, sondern es noch etwas zu halten. So kannst Du es mit in den Tag hineinnehmen.“

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